Autor Thema: Dystopien ...  (Gelesen 5454 mal)

Goldfischentsafter

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Re: Dystopien ...
« Antwort #15 am: 27. März 2010, 23:31:05 »
E4, Block 8, Wohnung 22. 58 Quadratmeter. Man wird irre, wenn man
sich nicht beschäftigt! Die Wohnung war eindeutig verwanzt, man
merkte es an den kurzen und regelmässigen Störungen beim Fernsehen
und Telefonieren. Also ging ich spazieren, wenn Miriam weg war. Nicht
gerade ungefährlich, wenn einen die Eb jederzeit ohne Angabe eines
Grundes aufgreifen und tagelang einsperren kann. Auch Folter war seit
Jahren wieder erlaubt, um im Fall einer "Terrorbedrohung" schnell zu
"Ergebnissen" zu kommen.
Besonders dem misstrauischen Hausmeister war ich ein Dorn im Auge mit
meinen Gewohnheiten. Und die Nachbarn redeten nie mit einem. Zu
gefährlich! Man konnte ja ein Spitzel sein. Oder als "Sympathisant"
selber in Verdacht geraten.
Für Miriam war es eine schwere Zeit. Wir verliessen die Wohnung zum
Spazierengehen so oft wie möglich. Busfahren war mir nur zu
bestimmten Zeiten, nach vorangemeldeten Terminen und  ausdrücklicher
Genehmigung erlaubt.
Beim Gehen machten sie sich noch nicht die Mühe. Wie weit kommt man
schon?
Nach fast genau zwei Jahren hatten wir dann genug und begannen unsere
Flucht zu planen.

Miriam schaut sich gerade die Nachrichten an. Auf dem Bildschirm
sieht man die Oberministerin der Christlich-Liberalen Volksunion.
Seit der Auflösung der SPD und dem völligen Verbot der Linkspartei
bzw. "subversiver linker Ideologien" gibt es nur noch den sog.
"Volksparteienblock" in Deutschland. Das Wahlalter ist zwar auf 16
gesenkt worden, aber dafür wird nur noch alle acht Jahre gewählt. "Um
der Politik jene Kontinuität zu ermöglichen, die sie für ein
nachhaltiges Wirken in unserem Land so dringend benötigt!"
Die Ministerin für Innen- und Aussenpolitik beschwert sich wieder
einmal bei dieser Gelegenheit, dass einige Länder anscheinend immer
noch nicht bereit sind, "eindeutig als Gefährder, Sympathisanten und
Terrorverdächtige identifizierte Subjekte" anstandslos und sofort
auszuliefern.
"Sorgenvoll" wendet sich ihr Blick dann den ehemaligen Vereinigten
Staaten von Amerika zu. Dort herrscht seit dem Wirtschaftskollaps und
dem völligen Zusammenbruch jeglicher zentraler, staatlicher Ordnung
in vielen Gegenden Anarchie. Die Vergrösserung der EWA-Schutztruppe
(Economic World Alliance) in den Sicherheitszonen zieht sie von daher
ausdrücklich in Betracht. "Es darf dort keine rechtsfreien Räume mehr
geben!"

Miriam gähnt herzhaft und schaltet den Apparat aus. Ich halte für
einen Moment den Atem an, bis mir wieder einfällt, dass das
"Abschalten von wesentlichen Nachrichten und Mitteilungen an die
Bevölkerung" in der Schweiz keine Straftat darstellt. "Alles in
Ordnung?" Ich lächle. "Ja! Zeit für's Mittagessen!"

Nachmittags lege ich mich dann hin. Die Nachtschicht dauert von 22
Uhr bis 6 Uhr. Da sollte man halbwegs ausgeschlafen sein. Die
Albträume kommen schon nicht mehr ganz so regelmässig.





ANmerkung von mir: ...und jetzt schaut Euch Eure Umgebung an... na, ein bisschen Verfolgungswahn bekommen? Dann ist die Geschichte gelungen.

Eigentlich wollten wir diese Geschichte als Comic herausbringen zu dem Gratis Comic Tag... aber das wäre zu Politisch. Das Projekt wird dann bei irgendeiner Wahl zu Stande kommen.
« Letzte Änderung: 27. März 2010, 23:34:51 von Goldfischentsafter »

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Re: Dystopien ...
« Antwort #16 am: 28. März 2010, 15:20:10 »
E4, Block 8, Wohnung 22. 58 Quadratmeter. Man wird irre, wenn man
sich nicht beschäftigt! Die Wohnung war eindeutig verwanzt, man
merkte es an den kurzen und regelmässigen Störungen beim Fernsehen
und Telefonieren. Also ging ich spazieren, wenn Miriam weg war. Nicht
gerade ungefährlich, wenn einen die Eb jederzeit ohne Angabe eines
Grundes aufgreifen und tagelang einsperren kann. Auch Folter war seit
Jahren wieder erlaubt, um im Fall einer "Terrorbedrohung" schnell zu
"Ergebnissen" zu kommen.
Besonders dem misstrauischen Hausmeister war ich ein Dorn im Auge mit
meinen Gewohnheiten. Und die Nachbarn redeten nie mit einem. Zu
gefährlich! Man konnte ja ein Spitzel sein. Oder als "Sympathisant"
selber in Verdacht geraten.
Für Miriam war es eine schwere Zeit. Wir verliessen die Wohnung zum
Spazierengehen so oft wie möglich. Busfahren war mir nur zu
bestimmten Zeiten, nach vorangemeldeten Terminen und  ausdrücklicher
Genehmigung erlaubt.
Beim Gehen machten sie sich noch nicht die Mühe. Wie weit kommt man
schon?
Nach fast genau zwei Jahren hatten wir dann genug und begannen unsere
Flucht zu planen.

Miriam schaut sich gerade die Nachrichten an. Auf dem Bildschirm
sieht man die Oberministerin der Christlich-Liberalen Volksunion.
Seit der Auflösung der SPD und dem völligen Verbot der Linkspartei
bzw. "subversiver linker Ideologien" gibt es nur noch den sog.
"Volksparteienblock" in Deutschland. Das Wahlalter ist zwar auf 16
gesenkt worden, aber dafür wird nur noch alle acht Jahre gewählt. "Um
der Politik jene Kontinuität zu ermöglichen, die sie für ein
nachhaltiges Wirken in unserem Land so dringend benötigt!"
Die Ministerin für Innen- und Aussenpolitik beschwert sich wieder
einmal bei dieser Gelegenheit, dass einige Länder anscheinend immer
noch nicht bereit sind, "eindeutig als Gefährder, Sympathisanten und
Terrorverdächtige identifizierte Subjekte" anstandslos und sofort
auszuliefern.
"Sorgenvoll" wendet sich ihr Blick dann den ehemaligen Vereinigten
Staaten von Amerika zu. Dort herrscht seit dem Wirtschaftskollaps und
dem völligen Zusammenbruch jeglicher zentraler, staatlicher Ordnung
in vielen Gegenden Anarchie. Die Vergrösserung der EWA-Schutztruppe
(Economic World Alliance) in den Sicherheitszonen zieht sie von daher
ausdrücklich in Betracht. "Es darf dort keine rechtsfreien Räume mehr
geben!"

Miriam gähnt herzhaft und schaltet den Apparat aus. Ich halte für
einen Moment den Atem an, bis mir wieder einfällt, dass das
"Abschalten von wesentlichen Nachrichten und Mitteilungen an die
Bevölkerung" in der Schweiz keine Straftat darstellt. "Alles in
Ordnung?" Ich lächle. "Ja! Zeit für's Mittagessen!"

Nachmittags lege ich mich dann hin. Die Nachtschicht dauert von 22
Uhr bis 6 Uhr. Da sollte man halbwegs ausgeschlafen sein. Die
Albträume kommen schon nicht mehr ganz so regelmässig.





ANmerkung von mir: ...und jetzt schaut Euch Eure Umgebung an... na, ein bisschen Verfolgungswahn bekommen? Dann ist die Geschichte gelungen.

Eigentlich wollten wir diese Geschichte als Comic herausbringen zu dem Gratis Comic Tag... aber das wäre zu Politisch. Das Projekt wird dann bei irgendeiner Wahl zu Stande kommen.
Wir müssem 'meine' Geschichte machen.
Ich weisas zwa nichtwie,
aber dan hörtr des auff.

Sowazz kann Niemnd lesen,ich schon,
ichh mal ein Bild draus,damits verständen wird.

)ich wollte.aber ich habe nie mit jungs rumgemacht.
es war schon nicht ganz nicht einfach.

das rollkommando,hab ich schon njehört,durch meine Tür.
hätt ich was getan,wärn die schon gekomm..

manchzzma,,achnee vergiss ,vergiss es.
 :)
Nicht alles,was nicht ganz wahr ist,ist ne halbe Lüge wert..
PeaceJudge
Mir fehlen 5 Thesen Luthers, nuu95 annar Tühre
da fähleth mir gar grünz d'Gloobe ...;)
Wo sinndze gehblübn ...
woo im Tintnfassle
d`'unheiglch
Keller&Gellerth
Ghostl
der freundlich
einer seiner,sarg seiner grenze ;)